Wenn Wege sich trennen (01.05.2014)

Ein Thema was mich seit langer Zeit beschäftigt ist, wie sich die Wege im Laufe der Zeit trennen.
Viele Menschen haben während des Erwachsenwerdens eine Clique, was mit zu den größten Geschenken gehört, die man haben kann.
Mein Text bezieht sich nun eher auf die Menschen, die in ihrer Jugend und danach mit Drogen zutun haben, ich denke aber dass sich vieles auch auf andere Cliquen beziehen lässt.
Während der Schulzeit gibt es viele junge Menschen, die einfach keinen Bock auf Schule, lernen und dieses langweilig anmutende Leben haben. Die meisten Konsumenten fangen in ihrer Jugend an zu konsumieren, mit 16 oder 17 Jahren…
Man wird von irgendjemandem eingeladen auf einen Joint, und nach ein paar mal rauchen merkt man eben, dass man da einen qualitativ viel hochwertigeren Rausch hat, als wenn man sich am Wochenende betrinkt und am nächsten Tag fast stirbt vor Kopfschmerzen.
Oft folgen dann nach diesem Einstieg weitere Erlebnisse und so finden sich diese Leute in einer Clique zusammen, die abenteuerlustig sind und nicht den 08/15 Weg mit Abi, Ausbildung oder Studium, am Wochenende saufen und irgendwann Kinder bekommen. Wobei dieser Weg für viele sicher die beste Lösung ist, ich will da gar nichts dagegen sagen, aber manche wollen einfach mehr Spannung und Aufregung im Leben haben.
Drogen nehmen verbindet Menschen sehr miteinander, man teilt mit der Clique unglaublich tiefe emotionale Erlebnisse, Nächte in denen man sich auf Speed 8 Stunden lang zutextet, Partys auf denen man sich auf Mdma die ewige Freundschaft schwört und tiefe Pilz oder Lsd Erlebnisse währenddessen man sich gegenseitig der Welt erklärt.
Das ganze Leben als Abenteuerreise, Partys, kiffen in der Natur, Goafestivals und unzählige emotional verbindente Erfahrungen, so lief es auch bei uns ab.
Die Clique als Anker in den Welten der psychedelischen Ausnahmeerlbnisse, es gibt wohl nichts was mehr zusammenschweißt. Man denkt dann als junger Mensch immer , dass alles ewig so weiter geht und man den Rest des Lebens so verbringen wird. Doch da hat man sich meist geirrt, denn das Leben wird sich verändern und auch in einer Drogenclique werden die Menschen älter und so zerschlägt es die Freunde in die unterschiedlichsten Richtungen.
Der Klassiker ist der, dass der ein oder andere eine Freundin kennenlernt und dann mehr mit dieser rumhängt… Dies ist jedoch noch die harmloseste Variante…
Ich versuche mal ein Beispiel zu geben anhand meiner Clique…
Nach mehreren Jahren in denen wir alle zusammen konsumiert hatten, wurde alles irgendwann anders. Es begann damit, dass ich als 20 Jähriger, begründet durch ca 50 Pilztrips, viel Mdma und unzähligen Durchfeierten Nächten, sowie mehreren Jahren dauerkiffen, irgendwann nicht mehr klar kam.
Ich schmiss meine Ausbildung und beschloss, aus dem Drogenleben auszusteigen und wie ich schon unzählige male erzählt habe, wollte ich einen Trip zum Abschied nehmen, auf dem ich dann schlussendlich hängengeblieben bin.
Während meiner Therapie, die ich weit weg von Zuhause begann, versuchten auch einige andere von uns auszusteigen, was jedoch sehr leicht dahergesagt ist und nur extrem schwer umzusetzen ist..
Nachdem sich dann bei mir rausstellte, dass ich wohl so schnell nicht mehr von dem Trip runterkommen werde, war ich extrem depressiv mit starken Suizidgedanken, auf einem Besuch in der Heimat konnte ich mit meinen Freunden kaum ein Wort sprechen, weil es mir so schlecht ging.
Von da an veränderte sich alles, einer verlor den Führerschein durch Thc und trennte sich komplett von unserer Clique, um endgültig das Kiffen aufzuhören. Einige Zeit später erlitt ein Kumpel von uns eine weitere Psychose durch Amphetamin, er hatte damals schon 7 Jahre täglich Speed gezogen. Kurz darauf starb einer an einem Verkehrsunfall, jedoch ohne Drogen im Blut…
Einer wurde Vater und so nahm diese ganze Entwicklung seinen Lauf, jedoch es zerschlug sich bei weitem nicht die ganze Clique. Nach einigen Monaten kam ich wieder halbwegs klar und konnte die Zeit mit meinen Kumpels wieder genießen…
Der harte Kern blieb bestehen, auch wenn in den Jahren darauf die Zeit natürlich nicht still stand. Heute sind wir alle knapp 30 Jahre alt und mehrere Leute sind Eltern geworden, zwei sind weit weg nach Berlin gezogen, ich nach Stuttgart, man sieht sich nicht mehr so oft aber trotzdem machen wir noch gerne einen drauf und wie gesagt, der harte Kern blieb bestehen, auch wenn die Zeit unsere Wege teilweise getrennt hat.
Im Moment geht es allen ganz gut, es wird immer noch konsumiert, jedoch haben eigentlich alle ihren Konsum ganz gut im Griff und man sieht alle zusammen nur noch ein paar mal im Jahr.
Die jugendliche Leichtigkeit von damals ist verflogen, aber das ist wohl normal, die Sorglosigkeit besteht nicht mehr so wie vor 10 Jahren…
Dies war an meinem Beispiel erklärt, wie die Wege sich im Laufe der Zeit trennen und doch verliert man sich nicht aus den Augen.
Ich kann jedem Jugendlichen nur empfehlen, die Zeit zu genießen und man sollte sich bewusst machen, dass man nicht ewig 20 bleibt, genauso wie ich mir bewusst machen muss, dass man nicht ewig 30 bleibt 🙂
So ist es nun mal, das Leben bedeutet Veränderung und ich bin irgendwie froh darüber, ein so intensives Leben mit meinen Kumpels gehabt zu haben und kann mich an hunderte von Momenten erinnern, die in mir tiefe Melancholie hervorrufen…
Einfach weil viel Erlebtes so beeindruckend war und mich mit meinen Freunden zusammengeschweißt hat…
Irgendwann in 200 Jahren sind wir alle tot, diejenigen die heute 20 sind genauso wie die, die heute 40 sind. Alle wieder verschwunden, niemand wird sich an euch erinnern können, nichtmal eure eigenen Nachfahren wissen wer ihr wart oder wie ihr gelebt habt…
Daher alles nicht so ernst nehmen, das Leben so gut es geht genießen, mit Freunden einen drauf machen und abenteuerlustig leben!
lg Crystalix

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