„Haben oder Sein“

So, nun komme ich auch mal wieder dazu, einen Beitrag zu posten. Ich hab ja im letzten Post schon ein Zitat gezeigt, dieses will ich aus meiner Perspektive nun noch mal erklären.
Ich schreibe dabei viel über das Drogenleben, weil dies wohl die einzigste Sichtweise ist, aus der ich diesen Gedanken erklären kann..
Gerade im Drogenleben geht es viel um das Thema teilen, Fairness und anderen Mitkonsumenten eine Freude machen.. hört sich vielleicht komisch an und ich weiß, dass diese Wörter nicht immer die Realität darstellen, aber ich habe zu diesem Thema schon viele Erfahrungen gemacht.
Hier noch mal das Zitat:

„Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu andrer Glück, Denn die Freude, die wir geben, Kehrt ins eigne Herz zurück.“―Marie Calm

Viele finden es jetzt vielleicht komisch, von Glück oder Freude zu sprechen, wenn es um das Drogenleben geht. Aber ich habe in 4 oder 5 Jahren Goa-Szene viele tolle Momente erlebt, wo es um das Teilen mit anderen Menschen oder einfach um Fairness und Freundlichkeit ging.
Als ich mit 18 Jahren das erste mal in einem Club Ecstasy genommen habe, teilte ich mit einem meiner damals besten Freunde eine Pille, jeder nahm also eine Hälfte.
Dies war eine sehr verbindende Sache und ich habe später noch sehr sehr oft mit anderen Menschen Pillen oder Lsd-Trips geteilt..
Dabei ist wohl das besonders verbindende, dass man mit seinem Freund dann auf exakt dem gleichen Level ist, da man ja sowohl die gleiche Pille genommen hat, also auch die gleiche Dosis und das alles auch noch im selben Moment..
So verbringt man dann den ganzen Turn zusammen und passt aufeinander auf. Später habe ich mehrmals mit anderen Freunden einen Lsd-Trip geteilt, was immer eine wahnsinnig verbindende Aktion war. Zusammen einen Joint zu rauchen, kann ja auch sehr verbindend sein, denkt man nur mal an das Wort „Friedenspfeife“..
Wenn man so an die Drogenmenschen denkt, würde man erstmal darauf tippen, dass die sich alle gegenseitig anlügen und hintergehen. So zumindest denken viele, die da noch kejnen so großen Einblick bekommen haben.
Natürlich gibt es im Drogenleben auch viele unfaire Aktionen, allerdings habe ich während meiner ganzen Drogenkarriere davon nur wenig mitbekommen, ich hab aber auch nie so die extrem harten Sachen genommen.
Ich habe mir schon am Anfang meines Drogenlebens immer die Frage gestellt, „Haben oder Sein“.
Man kann natürlich für alles Geld verlangen, Sachen teurer verkaufen, nichts verschenken, alles für sich behalten. Dann hat man sich für das „haben“ entschieden. Man hat dann vor allem Geld, schiebt einen ziemlichen Ego-Film und redet auch oft schlecht über andere und hält sich für etwas besseres.
Natürlich habe ich oft solche Menschen kennengelernt und es gab auch Leute, die in den Clubs an ihre Bekannten sogenannte „Blender“ verkauft haben, also Pillen die keinen Wirkstoff enthalten..
Diese hatten dann am Ende der Nacht ein paar hundert Euro in der Tasche, wurden aber dafür verachtet, was ja klar ist.
Ich persönlich habe mich von Anfang an eher für das „Sein“ entschieden. Wobei ich mich da keineswegs für etwas Besonders gehalten habe, ich wollte einfach, dass es allen Menschen mit denen ich unterwegs war, mindestens genauso gut geht, wie mir selbst. Wenn ich gegen morgen in einem Club noch eine einzige Zigarette hatte und ein fremder Mensch kam auf mich zu und fragte mich nach einer Kippe, habe ich sie ihm ohne zu zögern geschenkt.
Meiner Meinung nach ist das genau der Goa-Spirit, den viele an der Szene so schätzen.
Ich hätte auch niemals einem Menschen, der mich nach einer Nase Amphetamin gefragt hatte, nein gesagt.
ich habe mich also eher für das „Sein“ entscheiden, nicht für das „Haben“… und ich war da kein Einzelfall. Denkt man an Drogenszene, hat man fertige Leute im Kopf die sich den letzten Euro abzocken und denen man keineswegs trauen kann.
Viele wissen aber nicht, dass die meisten Menschen auf den Partys ganz anders sind. Man ist oft so voller Euphorie, dass man einfach will, dass es jedem anderen auch gut geht. Bis auf einige Ausnahmen waren fast alle Leute mit denen ich zu tun hatte, sehr freundlich und hilfsbereit.
Ich denke dass die Öffentlichkeit da ein falsches Bild hat. Klar gibts unter Junkies schlimme Geschichten von Leuten, die sich gegenseitig abzocken usw, aber auch unter Junkies gibt es richtige Freundschaften. Und gerade was die Partydrogen angeht, fühlt man sich auf den Partys wie in einer großen Familie und man hilft sich gegenseitig, da gibt es eine richtige Gemeinschaft.
Denn wenn man anderen Menschen eine Freude macht, dann macht man auch sich selbst eine Freude und die meisten wissen gar nicht, dass dieser Grundsatz auch in vielen Bereichen der Drogenszene aktiv gelebt wird…
Crystalix

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