Langzeitbericht meiner psychedelischen Geschichte

Hier poste ich meinen Langzeitbericht, den ich 2011 im Land-der-Träume Forum veröffentlicht habe, durch diesen Bericht habe ich die Idee für diesen Blog gehabt. Ich fühlte mich vor allem zu den Halluzinogenen hingezogen und machte ca 50-70 Pilztrips und viele Erfahrungen mit anderen Substanzen, wie Lsd, Ecstasy, Speed uvm.
Es liegt mir fern, Drogen zu verherrlichen, ich habe viele schöne Erfahrungen gemacht, musste jedoch teuer dafür bezahlen und meine ganze Geschichte ist ja im Endeffekt eine große Warnung. Ich erzähle in meinen Texten trotzdem oft von unglaublich schönen Erlebnissen, da ich ehrlich über das Drogenleben berichten möchte und diese angenehmen Erfahrungen natürlich auch ein großer Teil dieses Lebens sind, sonst würde ja kein Mensch konsumieren.

Hier aber der Bericht zu meiner ganzen Lebensgeschichte:

„Mein Religionslehrer hat immer gesagt, die Wolken sind der sichtbare Teil des Himmels. Für uns war der Himmel die Seele, und die Wolken waren unsere Visionen. Nur wenn zu viele Wolken aufziehen, siehst du den Himmel nicht mehr…“
Zitat aus dem Film „Das weiße Rauschen“

Ein kurzer Überblick: Ich werde nicht allzu ausführlich meine Drogenkarriere erzählen,
um mich dann dem eigentlichen Thema zuzuwenden, die Zeit am Ende meiner
Konsumphase, als ich auf einem Trip hängengeblieben bin. Ich habe dazu
auch kurze Ausschnitte aus Berichten von zwei Kliniken in denen ich war
zugefügt, wo Ärzte und Psychologen ihre Meinung zu dem Thema äußern.

Ich will mich mit diesem Bericht keinesfalls irgendwie in Szene setzen, ich
hatte Lust mal alles aufzuschreiben, hab lange hier dran geschrieben.
Außerdem dachte ich der Bericht könnte für User interessant sein, weil
er einfach mal ein Beispiel zeigt, was so alles passieren kann und
welches Risiko man eingeht, wenn man sich für den psychedelischen Weg
entscheidet.

Drogenkarriere: Ich habe bis zum Anfang meiner Jugendzeit eine relativ
unbeschwerte Kindheit gehabt und bin in
gutem Elternhaus aufgewachsen. Als die Schule jedoch immer
anspruchsvoller wurde, kam der Wechsel vom Gymnasium auf die Realschule,
gleichzeitig ließen sich meine Eltern scheiden.
Ich war 15 Jahre alt als ich den ersten Kontakt mit illegalen Drogen hatte.

Auf einem Schulausflug packte ein Kollege einen Brocken Haschisch aus und
wir rauchten einen Joint, der jedoch bei mir keinerlei Wirkung zeigte.
Aber das Interesse war geweckt und so folgten bald erneute THC Erlebnisse
die mir sehr gefielen, da ich an dem Alkoholrausch nie Freude finden
konnte.

Die folgenden zwei Jahre liefen ziemlich unspektakulär
ab, ich schaffte meine Mittlere Reife gerade so, kiffte oft am
Wochenende aber konnte mich ganz gut behaupten, eigentlich lief alles
zufriedenstellend..

Nach meinem Schulabschluss entschied ich mich
dazu, Zivildienst abzuleisten, ich wollte einfach mal raus aus dem
Dorf, in dem ich wohnte und wie der Zufall es wollte, landete ich in der
offiziell kriminellsten Stadt Deutschlands, in Kehl am Rhein direkt bei
Straßburg.

Dort lernte ich schnell viele Leute kennen und begann
jeden Tag zu kiffen, stieg dann in die Techno Partyszene mit ein und
machte meine ersten XTC Erfahrungen.

Während der Woche leistete
ich also meinen Zivildienst ab und am Wochenende fuhr ich meist in das
Dorf in dem Ich vorher lebte, wo ich einen großen Freundeskreis hatte..
In Kehl gab es Haschisch im Überfluß, und so pendelte ich immer hin und
her. Hatte gute Kontakte und großen Spaß an dem Drogenleben, alles
umfasste so eine zauberhafte Magie, Langeweile, das Wort kannte ich
nicht mehr..
Sessions bei Freunden, Goa Partys, oder einfach nur bei
schönem Wetter in der Natur kiffen, der Spaß war unser ständiger
Begleiter. Es schien als würden alle gescheiten Menschen kiffen. Die
anderen Menschen, die wir nur „Bauern“ nannten, wie armselig sie doch
waren, immer nur am Alkohol trinken, immer nur diese eine dumpfe Droge,
ja wir hatten schon fast Mitleid mit Ihnen. Wenn sie nur mal eine
unserer Sessions miterleben würden…
Einmal diese Magie spüren..

Mein erklärtes Ziel war es, alle Menschen zu den Drogen zu bringen, mein
Motto war: Wer Alkohol trinkt löst darin seine Sorgen auf, wer Drogen
nimmt geht auf eine Abenteuerreise…

Ich will Drogen mit diesen Sätzen nicht verherrlichen, ich will nur meine
damaligen Gefühle wiedergeben..

Ich rauchte nun täglich Haschisch, oft schon morgens vor dem Arbeiten. Am
Wochenende war ich auf Partys unterwegs, Chemie von Freitag bis Sonntag,
Einstieg in die Goa Szene. Im Bekanntenkreis wurde ich immer wichtiger
und erarbeitete mir einen guten Ruf.
Ich war auf Wolke sieben,
genauso war mein Leben perfekt. Eigentlich war alles eine einzige Party.
Ich war sowas von begeistert von diesem Lebensstil. Drogen, das war
unser Lifestyle, unsere Lebenseinstellung.
EIn Bekannter von mir
hatte damals ein eigenes Haus und das war für uns alle wie ein Zuhause,
und ein legendärer Ort an dem wir unzählige Sessions feierten, lachten
und uns einfach des Lebens freuten.
Das alles ging ca 1 Jahr lang, in
dieser Zeit machte ich auch meine erste Psilocybin Erfahrung, über die
ich hier auf dieser Seite auch einen Tripbericht verfasst habe:
Hochzeitswahnsinn  (Trip auf einer Nobel-Hochzeit)

Das Hinzukommen von Pilzen veränderte alles, wir haben ca. ein halbes Jahr
lang jedes Wochenende auf Pilzen getrippt. Nach dieser Zeit waren wir
alle psychisch sehr verblasen, auf der anderen Seite haben wir auch
unglaubliche Erlebnisse gehabt..
Ich hatte in Kehl eine Ausbildung
begonnen, wo ich allerdings immer größere Probleme bekam. Rauchte schon
vor Arbeitsbeginn Haschisch und ging teilweise auch auf Mdma, Kokain
oder sogar Pilzen zur Arbeit. Eine Weile lang hat das funktioniert, man
war auch zufrieden mit mir.
Nach einem Arbeitsplatzwechsel, bei dem
gleichen Arbeitsgeber aber andere Abteilung, nahm alles immer mehr
Überhand und ich wurde auffällig, hatte dann viele Gespräche mit meinem
Chef und wegen Fehlzeiten 2 Abmahnungen .. hatte zu dieser Zeit eine
Freundin bei der ich lebte, sie litt an einer Borderline Erkrankung was
zusätzlich eine Belastung darstellte.

Schließlich wollte ich meine Ausbildung hinschmeissen, ich war 20 Jahre alt,
Abhängig von Thc, Amphetaminen, Kokain und konsumierte noch viele andere Drogen,
typischer Fall von Polytoxikomanie.

Vergessen waren die unbeschwerten Zeiten von denen ich gerade eben noch berichtet habe.
Es war Winter 2004. es ging Allen aus unserer Clique nicht besonders gut, der Spaß am
Konsum ist allen mehr oder weniger vergangen, aber das bedeutet eben
genau nicht, dass nun alle aufhörten und vernünftig wurden. Viele
Versprechungen wurden gemacht, kaum eine wurde durchgehalten, die Drogen
hatten uns fest im Griff, das wurde mir aber erst später bewusst.

Mein Arbeitgeber drängte mich, eine Therapie zu beginnen und so kam es, dass
ich mich in der Suchtberatunggstelle vorstellte. Ich willigte ein eine
Therapie zu machen. Min. 80 % werden trotzdem rückfällig sagte mir der
Pädagoge, aber es liege an mir ob ich zu den 80% oder zu den 20 %
gehöre.
Die 3 Monate Wartezeit verbrachte ich in dem Dorf wo unsere
Clique war. konsumierte noch weiter, jedoch hauptsächlich Thc.
stabilisierte mich Psychisch etwas. Ca. 2 Wochen vor Therpieantritt war
ich auf einer Goa Party, wo ich zusammen mit zwei Kumpels zwei Trips
kaufte, um diese an einem einsamen Ort im Wald zu konsumieren.
Das war für mich als Abschied aus der Drogenszene gedacht,
ein Trip zum Abschied, das erschien mir würdig…
Genau auf diesem Trip bin ich nun seit 6 Jahren.
DerTrip verlief zunächst eigentlich relativ normal, ich nahm zunächst
einen halben, habe dann später nochmal einen viertel Trip
nachgeschmissen. Als ich dann irgendwann morgens nachhause gekommen bin
und mich schlafen legen wollte, hatte ich krasse Halluzinationen und
verbrachte einige Stunden in einem LSD – Halbschlaf, war komisch, aber
solche Erlebnisse kennt, denke ich, jeder der öfter getrippt hat…

Dann bin ich nochmal kurz fast runtergekommen, am nächsten Tag fühlte ich
mich gut, war zwar ziemlich verpeilt und ein immer stärker werdendes
Glücksgefühl kam auf.

Es war Juni 2005 als ich dann meine Therapie in Frankfurt begann.
(zwei Wochen nach dem Lsd Erlebnis).
Ich fühlte mich irgendwie seltsam, hatte leichte Panikattacken, startete
aber ganz gut in die Therapie. Es waren echt nette Leute dort und es war
insgesamt eine sehr schöne Zeit.
Kann wirklich jedem empfehlen der aufhören will, aber denkt,
es nicht alleine zu schaffen eine Therapie zu machen.

Nach einer Woche Therapie wurde dieses Glücksgefühl, das ich seit dem Trip
hatte immer stärker und stärker. Ich war wahnsinnig aktiv, schlief kaum
noch. Der Trip kam mit aller Gewalt zurück, was ich jedoch erst später
rausgefunden habe. In diesem akuten Moment wusste ich nicht was los war.
aber es ging mir gut, viel zu gut…
Ich schlief so gut wie gar
nicht mehr, war aber trotzdem den ganzen Tag aktiv, habe von morgens bis
abends geredet, mir Gedanken über meine Mitpatienten gemacht und mich
sogar den Psychologen dort überlegen gefühlt. Ich dachte, dass alle
Patienten nur aus dem Grund hier waren, um mich im Gerspräch mit Ihnen
zum Superheiler auszubilden.
Den größten Spaß brachte mir die Gruppentherapie,
was auch in dem Therapiebericht gewürdigt wurde, die Psychologin schrieb:

„In der Bezugsgruppe schien Herr M. von Beginn an interessiert und
engagiert beteiligt, wobei er auffiel durch besonders konstruktive und
reflektierte Rückmeldungen an andere.“

Ich hatte so dermaßen viel Dopamin im Kopf, ich hatte nie zuvor,
egal von welcher Droge,
solch einen genialen Rauschzustand gehabt. Das steigerte sich immer
weiter, bis ich anfing den Realitätsbezug völlig zu verlieren. Ich hielt
mich für einen Superheiler. Ich dachte, dass die gesamten Mitarbeiter
der Klinik auf Kokain waren, und dass ich durch meine aktive Beteiligung
und meine „besonderen Fähigkeiten“ bald in deren Kreis aufgenommen
werde und dort eine Stelle als Psychologe bekomme, gutes Geld verdiene
und mit Hilfe von Kokain gemeinsam mit den Mitarbeitern die Klinik
leiten werde.

Außerdem dachte ich, dass bald die BILD Zeitung über
mich berichten würde. Eine Mitpatientin hielt ich für meine zukünftige
Ehefrau.

Später dann hielt ich mich für Jesus und am Ende für
Gott persönlich. Dieser Zustand war wirklich im wahrsten Sinne für mich
das göttlichste was man sich vorstellen kann. Dass ich mich für Gott
oder Jesus hielt habe ich damals den Ärzten nicht mitgeteilt, da diese
krasse Ansicht nur einen Tag anhielt.
Trotzdem wurde ich dann
ziemlich mit Medikamenten abgeschossen, da ich Angst vor einem
epileptischen Anfall äußerte. Ich bekam damals Tegretal Saft glaube ich.
Der Arzt merkte schnell dass irgendetwas mit mir nicht stimmt und
verordnete mir ein Neuroleptikum. Ich erzählte dem Arzt auch, dass ich
mich fühle, als hätte ich ein ganzes Kilo Kokain in mir, so fühlte ich
mich tatsächlich auch.
Was das alles genau für ein Zustand war, weiß
keiner so genau, manche tippten auf eine Manie mit psychotischen Zügen,
andere meinten schon eher, dass es eine richtige Psychose war. Meiner
Meinung nach war es der Trip der mit voller Kraft zurück kam!
Hier einige Auschnitte aus dem Therapiebericht:

„Die Interaktion zum jungen stets freundlichen, jedoch eher passiv und meist
wenig emotional berührt erscheinenden Patienten war insbesondere
geprägt durch das Auftreten unerwarteter und bizarrer Geschehnisse im
Behandlungsverlauf, die bis zuletzt auch für uns nicht klar einzuordnen
waren.“


„Innerhalb von zwei Wochen schien sein Stimmungszustand
nicht mehr nur subeuphorisch, sondern ins präpsychotische gehend. Innere
Anspannung sowie einer Art Wahnstimmung mit Ich-Störungen (“ dass etwas
vorgehe um ihn; er sich verändert fühle), bizarre Denkinhalte und
ansatzweise Größenideen („dass sich nun alles füge, er Klarheit über
alles habe, auch wisse was in anderen Mitpatienten vorgehe und er das
gelungene Expermiment seiner Eltern darstelle“)

Daraufhin erfolgte ein erstes psychiatrisches Konsil beim Leitenden Arzt und eine
Medikation wurde verabreicht. Nachdem es bereits am Folgetag zu einer
deutlichen Stabilisierung und Distanzierung des Patienten vom
psychotischen Erleben kam, entstand unsererseits der Verdacht auf
Substanzkonsum, obwohl sämtliche Screenings negativ waren..“

„Nach dem vom Patienten gewünschten Absetzen der bislang verabreichten
Medikation kam es zur Stimmungsverschlechterung, wobei er panikartige
Zustände beschrieb, insbesondere die Befürchtung „psychotisch“ zu
werden.

Er schilderte ständig neue Befürchtungen:
„auf Drogen hängengblieben zu sein; einen Hirnschaden zu haben; seine
Hirnstrukturen durch LSD verätzt zu haben.“ Damit einhergehend beklagte
er weitere Antriebs und Hoffnungslosigkeit bis hin zu Suizidgedanken. da
“ eh alles zu spät sei; er nicht mehr lebensfähig sei“.
Interpersoneller Kontakt und Realitätsbezug waren jedoch stets gut herstellbar
und er zeigte sich absprachefähig.

Es folgte eine unglaublich schlimme Depressive Phase, während der
plötzlich viele Lsd ähnliche Symptome auftauchten. In dieser Phase wurde
mir bewusst dass dieser letzte Lsd Trip mich noch lange begleiten wird.
Das war wirklich der schlimmste Zustand, den man sich vorstellen kann.
Nach einigen Wochen klang die Depression ab und ich wurde auch
medikamentös eingestellt. Mit Zyprexa 10 mg und Mirtazapin 30 mg.

Die Lsd ähnlichen Symptome blieben jedoch da, zumindest die meisten. die
ganz schlimmen Halluzinationen die ich im Ruheszustand hatte, klangen
zum Glück schnell ab, was den Zustand erträglicher machte.
Die Therapie schloss ich dann planmäßig regulär ab. Bin aber seit dem nicht
von dem Trip runtergekommen, was sich alles verändert hat und wie meine
aktuellen Symptome aussehen habe ich in meinem Tripbericht
„Hochzeitswahnsinn“ in der zweiten Hälfte beschrieben, hab den Text aber
hier ganz am Ende nochmal hinzugefügt.

Ich wohnte nun wieder bei meiner Mutter und versuchte so gut es geht
klarzukommen. Ich hab mich auch schnell etwas erholt, ging wöchentlich
zur Drogenberatung, aber an Runterkommen war nicht zu denken. Seitdem
sind z.B. auch meine Pupillen immer unglaublich riesig, wodurch mich auf
Partys immer alle Fragen was ich mir denn eingebaut habe..

Es folgte ein ziemlich ereignisloses Jahr, ich war clean, nahm Medikamente,
konnte aber nicht arbeiten. Versuchte so gut es ging klarzukommen, was
mit vielen unangenehmen Aufgaben verbunden war. Ich musste allen
Verwandten und Freunden und eben allen Menschen die ich kannte, erklären
was nun mit mir los sei, obwohl ich selbst nichtmal ganz verstand, was
eigentlich mit mir war.

Ca 1,5 Jahre nach dem Ereignis entschied
ich mich, zu versuchen wieder arbeiten zu gehen. Ich schrieb einige
Bewerbungen in dem Ort in dem ich wohnte und bekam schnell eine 400 Euro
Stelle angeboten in einer Metallfabrik.
Dort arbeitete ich ein Jahr.
Ich war teilweise sehr überfordert und hat ständig Angst Fehler zu
machen aber ich hielt durch und meine Vorgesetzten dort waren auch sehr
nett zu mir und mann muss auch sagen dass ich die Arbeit gut gemacht
habe obwohl es schwer war, z.B eben auch die Kommunikation usw. Stellt
euch mal vor ihr geht auf nem Trip in eine Metallfabrik und müsst 4
Stunden dort irgendwie rumbekommen, möglichst unauffällig.

Ich war ganz langsam am Runterkommen, war psychisch stabil und setzte auch
das Mirtazapin ab. Nach einem Arztwechsel kam ich zu einer Psychiaterin,
bei der ich äußerte dass es mir gut gehe aber ich mich von dem Zyprexa
sehr müde fühle. Daher wurde ich umgestellt auf 15 mg Abilify, das war
der wohl größte Fehler den man sich vorstellen kann, wie sich nach 2
Wochen herausstellte.
Zunächst war ich begeistert von diesem Medikament, war total fit und aktiv.
Machte die Nächte durch, war wie druff von dem Zeug.
Nach 2 Wochen Einnahme schoss es den Trip,
der in mir wirkte von der einen auf die andere Sekunde in schwindeleregende Höhen!
Ich war auf einmal wieder sowas von krass drauf, aber nicht positiv.
Angststörung, Soziale Phobie, allgmeines Druff sein, Halluzinationen,
Stimmen Denken (nicht hören).
Natürlich habe ich sofort dieses
Medikament abgesetzt, die neuen Symptome die das Abilify mit sich
brachte blieben jedoch da und haben sich auch bis heute kaum
zurückentwickelt.

Ich musste meine Arbeitstelle aufgeben und war
eigentlich nicht mehr gesellschaftsfähig. Konnte nicht mehr mit anderen
Menschen an einem Tisch sitzen und essen, hab mich so gut wie gar nicht
mehr aus dem Haus getraut, aus Angst Leute zu treffen, die ich kenne und
mich vor diesen zu blamieren. Hinzu kamen Reizüberflutung und eine
leichte Depression aufgrund meines verschlechterten Zustands, die
Depression war jedoch nicht sehr stark.

Es folgten 2 Klinikaufenthalte, Ärzte und Psychologen waren ratlos was meinen Zustand
betrifft, meine Erklärungen wurden zwar aufgenommen, aber irgendwie
kannte sich auch niemand so wirklich aus. Von HPPD hatte noch niemand
was gehört.

Formales Denken weitgehend geordnet, manchmal
Gedankensprünge und konkretistischtes Denken. Befürchtung sich vor
anderen Menschen zu blamieren, Fehler zu machen. Selbstwertgefühl und
Selbstvertrauen stark reduziert. Wahnhaftes Denken und Erleben wird vom
Pat. verneint. Die sozialen Ängste des Pat. (Angst vor „Blamage“, vor
Ablehnung und Zurückweisung) wirken jedoch übersteigert, haben
bedrohliche Ausmaße („Ich traue mich gar nichts mehr“) V.a narzisstisch
gefärbte Inhaltliche Denkstörungen („psychedelisches Denken über das
Leben“). Stimmung etwas gedrückt, Affekt abgeflacht. Antrieb und
Belastbarkeit deutlich vermindert, Reizüberflutung in komplexen
Situationen.
Psychomotorisch stark angespannt und unruhig, Zittern. „Nervositätszustände“,
Angstattacken, Bewegungsstereotypien.
Der Patient distanziert sich glaubhaft von akuter Suizidalität. Extremer sozialer Rückzug, Isolation.


Im Kontakt freundlich und kooperativ.

Diagnostisch gehen wir am ehesten von dem Vorliegen einer undifferenzierten
Schizophrenie mit formalen und Inhaltlichen Denkstörungen, optischen
Halluzinationen, Anspannungs- und Angstzuständen aus.

Seit diesem letzten Klinikaufenthalt sind zwei Jahre vergangen. Ich habe mich
gut stabilisiert, bin nur leicht depressiv, Ängste haben sich
gebessert. Wohne noch in einer betreuten Wg. Will aber bald nach
Stuttgart ziehen, dem steht eigentlich auch nichts im Wege, Meine
Betreuer sind zufrieden mit meiner aktuellen Entwicklung.

Habe seit letztem Jahr einen Schwerbehindertenausweis mit einem Grad von 100 %.

Bin nun seit über 10 Jahren clean, eben seitdem ich hängengeblieben bin,
versuche so gut es eben geht mein Leben zu meistern, was auch ganz gut
klappt. Geh auch noch ab und zu auf Partys, war letztes Jahr eben auch
auf der Nature One und geh dieses Jahr vermutlich wieder hin..
Alkohol
vertrage ich auch schon seit 2 Jahren nicht mehr. Das ist schade, da es
mir immer geholfen hat, meinen Zustand ab und zu von einer anderen,
nicht nüchternen Perspektive zu sehen. Das ging bei mir sogar durch
einen leichten Alkoholrausch.

Ich bin immer noch mit einigen Personen von damals befreundet.
Allerdings waren mittlerweile 4 Leute infolge von
Substanzkonsum in der Psychiatrie. Einer ist vor 7 Jahren bei einem Autounfall
gestorben. Aber wir halten echt gut zusammen. Manchmal frage ich mich,
war das der Traum, den wir von dem aufregenden Drogenleben hatten? Ist
der Traum geplatzt oder sind wir mittendrin, und der Traum ist nur ganz
anders wahr geworden, als wir uns das vorgestellt haben… ich werde nie
eine Antwort darauf bekommen, weil es keine gibt….

Die Gesellschaft verlangt aufgrund meiner Geschichte nun von mir, alles was
irgendwie mit Drogen zutun hat zu verteufeln, nach dem Motto: „Du siehst
ja was passieren kann“.
Doch würde ich Drogen verteufeln, würde ich gleichzeitig mein komplettes „Ich“ ablehnen.
Ich musste viel Leid erfahren, ja, aber ich habe durch diese ganzen
Vorkommnisse und durch dieses tiefe Abtauchen in die psychedelische
Gedankenwelt einen Einblick in unglaublich komplexe und sublime Vorgänge
des Lebens bekommen.. bei dieser Meinung bleibe ich, auch wenn Ärzte
dies als „narzisstisch gefärbte Inhaltliche Denkstörungen“ bezeichnen.

Zitat aus dem Film: „Das weisse Rauschen“:
„Für die Ärzte war ich schizophren, für die meisten Anderen einfach nur ein Spinner. Mir war das eigentlich egal wie die Leute mich nennen. Wonach ich suchte das war ein Leben, das ich führen kann.

Das weiße Rauschen, dass sind alle Visionen, aller Menschen, aller Zeiten in einem Augenblick, hatte mir Eno erklärt. So was wie Gott oder das ganze Universum auf einmal. Wer das weiße Rauschen sieht hat den Zustand der höchsten Erleuchtung erreicht. Und wisst ihr was er noch gesagt hat? das weiße Rauschen dass sei der ultimative Trip. Wer das weiße Rauschen sieht, der wird sofort wahnsinnig. Außer wenn er schon wahnsinnig ist, dann wird er normal.

Der Trick besteht darin, den Pfad der Erleuchtung sozusagen rückwärts zu gehen. Am Anfang dieses Pfades da hört das Chaos im Kopf auf und da beginnt das ganz normale Leben. Da bin ich mir sicher…..“

Dieser Bericht kann auch als Warnung verstanden werden, macht euch bewusst,
dass Halluzinogene euer Leben möglicherweise mehr verändern, als ihr es
euch vorstellen könnt. Trotzdem kann ich jeden Menschen verstehen, der sich dafür fasziniert, es ist halt eine ganz private Entscheidung, ob man Erfahrungen mit Halluzinogenen wagen will, denn nur man selbst muss danach mit den Veränderungen klarkommen, die sicher da sein werden…

Hier im Blog erzähle ich auch viel über mein Leben auf dem Trip, es kommen immer neue Beiträge dazu, wer will kann da ja ein bisschen lesen..
Lg Crystalix
Facebook: Crystalix

19 Kommentare zu „Langzeitbericht meiner psychedelischen Geschichte“

  1. Hi , habe deinen Blog bisher nicht gekannt .
    Das was du als hängen geblieben schreibst ist doch eine drogeninduzierte Psychose . Tatsächlich glaube ich kann ich manche Symptome nachvollziehen obwohl ich nie Drogen konsumiert habe , bzw. Vor etlichen Jahren mal gekifft .

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    1. Hey Feenja,
      Also als ich in der Klinik war kurz nachdem es mir so schlecht ging, waren alle Ärzte und Psychologen ratlos was meine Symptome darstellen und haben mir auch keine Diagnose gestellt. Sie vermuteten eine Manische Phase mit psychotischen Zügen..
      Ich habe keinerlei paranoide Gedankengänge und höre keine Stimmen, daher kann man das nicht direkt als drogeninduzierte Psychose bezeichnen, auch wenn viele Symptome ähnlich sind.
      Ich bin nun seit 10 jahren praktisch durchgehend auf dem Trip, d.h. dass ich mich vom Denken her auf dem Trip befinde, nach wie vor..
      So etwas ist ziemlich selten, aber jeder kennt ja den Mythos vom hängen bleiben, für mich ist er zur Realität geworden, aber mittlerweile komm ich gut klar damit..
      Lg Crystalix

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      1. Hast du dich schon mal über borderline bzw andere persönlichkeitsstörungen informiert ?
        Hört sich für mich ganz danach an da ich mich in deiner Lebensgeschichte in so ziemlich allem widerfinde.

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    2. Schöner Bericht, hatte diesen Zustand auch 1 mal für ne Woche nach meinem 3 Lsd Trip. Bald isses jetz 1 Jahr her und mitlerweile hab ichs auch relativ gut verarbeitet. Wünsche dir noch viel Glück 🙂

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      1. Hey, Danke für deine Wünsche, im Moment gehts mir echt gut und ich komme klar… Bin gerade dabei eine Art Neustart zu machen und mich wieder auf die Zukunft zu konzentrieren.. lg

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  2. Hey wieso trippst du nicht wieder ne pappe? Hab mal in ein bericht gelesen dass das einen haengegebliebenden wieder in die realitaet geschleudert hat

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    1. Hey,
      Ich hab mir das ein paar mal überlegt, jedoch konnte ich mich bis jetzt nicht dafür entscheiden. sobald ich einen lsd trip nur in der hand habe, fange ich schon an zu zittern, so groß ist der respekt davor..
      aber ich behalte diese option im hinterkopf..
      lg crystalix

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  3. Hallo!!! Habe aufmerksam deinen Blog gelesen und mir ist da etwas aufgefallen: LSD, Psilocibin, auch DMT und Cannabis sind möchtige spirituelle Werkzeuge, mit denen man Bewusst in seine eigene Psyche reist und in kurzer Zeit viel Lebenserfahrung und Erkenntnisse über sich selbst sammeln kann. Eine intensive Vorbereitung und anschließende Einordnung des Erlebten ist dabei von großer wichtigkeit!!! Wenn du also solche Substanzen einnimmst, beachte den spirituellen Hintergrund dabei. Auch deine Angststracken hatten wahrscheinlich ihren Ursprung in mangelnder „spiritueller Allgemeinbildung“. Vielleich hilft es dir, wenn du dich mal mit spirituellen Themen (Achtung: Religion und Spiritualität ist nicht das Gleiche!!) auseinandersätzt. Auch könnte ein Schamane dir eher weiterhelfen als ein Psychater (Psychedelika sind ein Tabuthema in der Psychologie), da diese mit holotropen Bewusstseinszuständen eher Erfahrungen haben!

    Viel Glück und Liebe
    Von Jonas 🙂

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  4. Ach ja! Vielleicht bist du ja garnich „hängen geblieben“ sondern hast einfach jezz eine andere Sichtweise auf deine Umwelt und somit andere Filter! Das wiederrum könnte heißen, dass du dir und deiner Außenwelt nun bewusster bist. Du hast dich weiterentwickelt, da du durch LSD nun weißt: Es gibt mehr Realitäten als eine und du hast nun Zugriff auf sie!! Also wehre dich nicht gegen das was ist, sondern lerne, damit zu arbeiten und deine Vorteile daraus zu ziehen!!!

    Licht und Liebe
    Jonas

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    1. Hey, also insgesamt kann wohl Niemand sagen, an was es jetzt genau gelegen hat, ich habe viele Dinge konsumiert, ich denke, es war auch einfach die Summe aller Erfahrungen. Aber ich habe auch oft Lsd genommen, was wirklich Lsd war.. lg

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  5. Hört sich richtig, richtig heftig an! Ich wünsche Dir alles nur erdenklich Gute – wie sieht es denn aktuell aus? Und wie ist dein jetziges Lweben im Vergleich zu früher – merkbare Verbesserungen?

    Alles alles Gute mein Lieber!

    PS: mir hat in vielen schlimmen Situationen Gott und der Glaube an jesus Christus mental sehr geholfen – will nicht missionieren, aber ein gebet in schweren zeiten schadet nie.

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    1. hey
      danke für die guten wünsche! seit einigen jahren bin ich stabil, war seit 2009 nicht mehr in einer klinik und gehe ja auch wieder arbeiten und wohne alleine.. kann nicht klagen, aber klar, die letzten 10 jahre hatten es schon in sich.. lg

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  6. Hey ,
    dein Text gibt mir echt zu denken, ich bin auch ein totaler Party Mensch und mir wurde LSD schon oft angeboten, ich habe oft nachgedacht ja zu sagen , aber du hasst mir mit deinen Text gezeigt das ich es nie anfassen werde.
    Ich wünsche dir alles gute für deine weiter Zukunft.
    Lieben grüß marie-lou

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    1. Hey, danke für die guten Wünsche! Ja, also ungefährlich ist es sicher nicht.. man weiss halt auch nie vorher, wie man es verträgt und was auf einen zukommt, auch an bleibenden Veränderungen. Es könnte aber auch total toll kommen, das kann niemand voraussehen.. jeder muss selbst entscheiden, ob er das Risiko eingehen möchte.. Lg

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  7. Hallo Crystalix, Deine Geschichte hat mich berührt. Beim lesen habe ich kurz überlegt, wieso ich mein eigenes Buch lese, welches ich noch gar nicht geschrieben habe. Ich finde es gut, dass Du es geschrieben hast. Vielen Dank.
    Herzliche Grüße, Yngo Gutmann

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    1. hey, vielen dank für deinen kommentar und es freut mich sehr, dass du das buch interessant fandest…
      hat mich auch viel anstrengung gekostet es zu schreiben, daher freut es mich umso mehr, wenn es jemandem gefällt! lg friderich

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